Steam „Early Access“ Games Feature – Wieso es eine schlechte Idee sein könnte

Jeder kennt es – ein Spiel das man gerne spielen will wird zum Veröffentlichungstermin X angekündigt und man wartet angespannt darauf, dass man endlich die ersten Concept Art Bilder, Screenshots, Videos, Interviews, etc. sieht – geschweige denn es endlich mal spielen kann. Genau diese Tatsache nutze Firmen der Videospieleindustrie seit ungefähr einem Jahr gnadenlos aus und zwar im Austausch gegen Geld. Früher war man als Entwickler noch froh, wenn man für das Testen von Spielen kein Geld ausgeben musste sondern passionierte und erfahrene Spieler das freiwillig und unentgeltlich gemacht haben (somit die Firmen diesen Kostenposten kürzen oder gar streichen konnten) – das reicht heute nicht mehr!

Steam hat seit ungefähr dem 20. März 2013 sein neues Steam „Early Access“ Games Feature veröffentlicht, unter dem Valve Alphas und Betas anbietet, jedoch momentan noch zum größten Teil gegen Bares.
Die Begründung seitens Valve ist, dass sie ihren Servicebereich weiter ausbauen wollen, womit sie in der Vergangenheit große Erfolge verzeichnen konnten (das Anbieten mehrerer Zahlungsmöglichkeiten neben Kreditkarte, das Erfolgssystem, „Steam Workshop“, „Steam Greenlight“, etc.), denn sie denken an ihre Kunden und wollen ihnen eine einfache Möglichkeit bieten, Spiele schon früher zu spielen – natürlich auch zu kaufen – und das Patchen so einfach zu gestalten wie schon bei veröffentlichten Spielen.
Außerdem bietet Steams „Early Access“ den Entwicklern die Möglichkeit schneller und einfacher Feedback sowie Bug Reports zu erhalten, denn nur eine Bruchteil aller Tester meldet sich auf Foren zu Wort bzw. meldet einen Fehler via Support Ticket. Seltsamer Weise ist das bei den relativ neuen Community Features (Game HUB etc.) weniger der Fall, denn der Nutzer ist ja schon eingeloggt mit seinem Steam-Konto und kann einfach drauf los posten – das wird wohl der Grund sein.

Auf den ersten Lauscher hört sich das Ganze nicht schlecht an. Es gibt mehr als genug Spieler, die gerne für Spiele schon früher Zahlen – sei es um an Vorbesteller Boni wie zB. zusätzliche gratis DLCs (Downloadable Content – herunterladbare Inhalte) zu kommen, Rabatte zu kassieren, eine extra Kopie zum Verschenken zu erhalten, den Entwicklern/Herausgebern (Publisher) ihre Unterstützung zu zeigen, oder aber auch um früher als andere das Spiel zu spielen – ob „Headstart“, Alpha oder Beta spielt hierbei keine Rolle.

Aber seien wir mal ehrlich: Wir als Konsumenten haben über die Jahre Schritt für Schritt unsere Freiheiten aus dem Fenster geworfen. Gratis Patchinhalte sind fast schon passé  und werden von kostenpflichtigen DLCs abgelöst, LAN oder Offline Modus sieht man immer weniger bis gar nicht in großen Franchisen, Inhalte, die während der Hauptentwicklungsphase (vor der Veröffentlichung) schon erstellt wurden, werden absichtlich zurückgehalten und später oder am Tag der Veröffentlichung (im Rahmen eines Vorbesteller Bonus) als DLC rausgebracht, DRMs (Digital Rights Management – Digitale Rechte-/Beschränkungsverwaltung) schränken den Endbenutzer mehr und mehr ein und als Sahnehäubchen sollen wir noch für unfertige Produkte zahlen – auf ein Versprechen hin, dass dieses Produkt unseren Erwartungen entsprechen und fertig gestellt wird.
Das Beispiel schlechthin eines solchen Flops in diesem Jahr ist wohl das Videospiel „Aliens: Colonial Marines“, jedoch will ich nicht großartig auf ein Spiel spezifisch eingehen. Falls ihr Informationen zu diesem Flop haben wollt, seht euch eine Review von Angry Joe, TotalBiscuit und Konsorten auf YouTube an.

Steams „Early Access“ Games hat große Tendenzen dazu mal wieder eine Möglichkeit für Valve zu sein, unfertige Spiele zum Vollpreis auf ihrer Plattform zu verkaufen und leider hat uns die Vergangenheit gezeigt, dass es nur wenige Spiele schaffen und verdient haben, das eigene Vertrauen und Geld zu investieren.
Nichtsdestotrotz gibt es wohl den ein oder anderen Indie Entwickler der solch ein System dringend nötig hat und sich über die Unterstützung der Konsumenten freuen würde. Das System hat einfach zwei Seiten: die eine, die die Ausnutzbarkeit von Verbrauchern vereinfacht und die andere, die es ehrlich meinenden und „guten“ Indie Entwicklern das Leben und die Veröffentlichung bzw. Finanzierung vereinfachen möchte.

Wie sich dieses Feature noch entwickeln wird kann man nicht zu 100 Prozent vorhersagen, aber wir als Konsumenten sollten vorsichtig und uns im Klaren sein, wieviel Kraft wir eigentlich besitzen. Wir können nur hoffen, dass sich schlechte Businesspraktiken nicht als Industriestandard etablieren und sollten bisschen sorgsamer mit unserem Geld umgehen, denn Firmen, die Konsumenten ausnutzen, haben nicht noch ein Leckerli verdient und wir sollten konsumentenfreundliche Praktiken mit dem Kauf der Ware fördern! (Petar „Eclesion“ Zujovic, 21.03.2013)

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